Gastartikel: Was können Unternehmen gegen Burnout tun?

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Burnout wird immer mehr zum Problem. Gerade im Vertrieb betrifft dieses Thema viele VerkäuferInnen ab 40.

Ein Krankenstand aufgrund von psychischen Erkrankungen kostet auch Unternehmen rund zweieinhalb mal so viel wie ein Krankenstand aufgrund von physischen Erkrankungen. 3,3 Milliarden Euro kosten psychische Erkrankungen dem Staat Österreich und den Unternehmen jährlich. Durch zahlreiche kleine Maßnahmen können Unternehmen wesentlich dazu beitragen, diese Kosten zu reduzieren.

Zahlen (lt. Med-Uni Graz und SV Hauptverband):

  • Laut SV Hauptverband dauert ein Krankenstand wegen psychischer Erkrankung im Durchschnitt 40 Tage, wegen einer somatischen Erkrankung dagegen nur elf Tage.[1]
  • Die durchschnittlichen Krankengeldkosten aufgrund von psychischen Diagnosen belaufen sich lt. SV Hauptverband pro Fall auf 1.750 Euro, jene wegen physischer Erkrankungen auf durchschnittlich 730 Euro.[2]
  • Dem Staat und den Unternehmen entstehen in Österreich durch psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz jährliche Kosten von 3,3 Milliarden Euro (lt. Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts und der Donauuniversität Krems im Auftrag der Arbeiterkammer).[3]
  • Etwa 500.000 Österreicher leiden lt. Ärztekammer unter einem behandlungsbedürftigen BurnoutEin Krankenstand aufgrund von psychischen Erkrankungen kostet Unternehmen rund zweieinhalb mal so viel wie ein Krankenstand aufgrund von physischen Erkrankungen. 3,3 Milliarden Euro kosten psychische Erkrankungen dem Staat Österreich und den Unternehmen jährlich. Durch zahlreiche kleine Maßnahmen können Unternehmen wesentlich dazu beitragen, diese Kosten zu reduzieren.

Gesetzliche Veränderungen:

Noch im Herbst soll im Parlament eine Novelle des Arbeitnehmerschutzgesetzes beschlossen werden. Laut dem Gesetzesentwurf müssen Unternehmen ab Anfang 2013 auch die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz evaluieren.[4]

Burnout vermeiden:

Eine Arbeitspsychologin und Experten von en-software GmbH, Hersteller von EDV-Lösungen für die betriebliche Gesundheitsvorsorge, erläutern, was seitens der Unternehmen gegen Burnout getan werden kann:

  • Als Unternehmer mit gutem Beispiel vorangehen:
    Arbeitspsychologin Helga Schloffer nennt dazu einige Beispiele: sich im Alltag kleine Genussmomente schaffen (zB bewusst eine Tasse Kaffee genießen) oder im Urlaub nur zu bestimmten Zeiten erreichbar zu sein.
  • Bewusstsein bei den Mitarbeitern steigern:
    Unternehmer sollten Mitarbeiter dazu motivieren, sich mit beruflichen und privaten Stressfaktoren überhaupt auseinander zu setzen und dieses Thema nicht belächeln, sondern ernst nehmen.
  • Termininfos am schwarzen Brett:
    Über Mitarbeiterzeitschriften, Intranet oder das klassische „schwarze Brett“ können Mitarbeiter unverbindlich über externe und oft kostenlose Angebote seitens Krankenkassen, Unfallversicherung, Mediziner etc. informiert werden.
  • Hilfsmittel einsetzen:
    Es ist wichtig, nach beruflichen und privaten Stressursachen bei sich selbst bzw. bei seinen Mitarbeitern zu forschen. Eine Datenerhebung ist auch mit EDV-Programmen, wie beispielsweise SHERM von en-software möglich. „SHERM stellt die Einschätzungen der einzelnen Mitarbeiter jenen der Unternehmer gegenüber und wertet aus, ob Handlungsbedarf gegeben ist“, nennt Daniel Latikaynen von en-software GmbH ein Beispiel aus dem Funktionsumfang.
  • Individualität der Mitarbeiter berücksichtigen
    Jede Persönlichkeit ist einzigartig. Wo einer schon Stress spürt, ist ein anderer vielleicht unterfordert. Es ist daher unerlässlich, sich mit jedem Mitarbeiter einzeln auseinander zu setzen.
  • Vertrauenspersonen für die Mitarbeiter:
    Im Gespräch mit außenstehenden Personen, zB Arbeitspsychologen, fällt es Mitarbeitern oft leichter, Stressfaktoren offen anzusprechen. Daniel Latikaynen betont in diesem Zusammenhang: „Der Datenschutz für die Mitarbeiter muss hier aber gewährleistet sein, das heißt bei Datenerhebungen darf nicht auf Einzelfälle zurückgeschlossen werden.“
  • Regelmäßige Mitarbeitergespräche:
    Nur in rund zehn Prozent der steirischen Unternehmen werden regelmäßig Mitarbeitergespräche durchgeführt, schätzt David Schütze, Teamleiter im Bereich Unternehmensentwicklung am WIFI Steiermark. Solche Gespräche wären aber eine ideale Möglichkeit für Mitarbeiter und Unternehmer, Probleme offen anzusprechen und Lösungswege zu vereinbaren, deren Umsetzung dann auch überprüft wird.
  • Mitarbeiter aktiv einbinden:
    Auch über ganz einfache Mittel wie anonyme Verbesserungsvorschläge, die in einer Box gesammelt werden, können Stressfaktoren aufgedeckt werden. Wenn dann die Vorschläge (zB flexiblere Pausenzeiten) auch umgesetzt werden, motiviert das die Mitarbeiter, da sie die Bereitschaft des Managements erkennen, eingefahrene Prozesse zu verlassen.
  • Nicht nur Pläne schmieden:
    Auch wenn eine wichtige Maßnahme nicht verwirklicht werden kann, muss das kommuniziert werden, sonst ist spätestens bei der ersten Evaluierung eines Burnout-Präventionsprogramms mit Frustration zu rechnen.
  • Urlaub ist kein Allheilmittel:
    Wer das ganze Jahr über auf Hochtouren arbeitet, um dann endlich zwei Wochen auf Urlaub zu fahren, tut sich damit nichts Gutes und erkrankt außerdem häufig im Urlaub. Helga Schloffer erklärt: „Wenn eine Person an chronischem Stress leidet, hat sie einen hohen Spiegel an Stresshormonen, der bei geringerer Belastung im Urlaub abfällt und den Betreffenden anfällig für Krankheiten macht.“

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2 Kommentare zu Gastartikel: Was können Unternehmen gegen Burnout tun?

  1. Nico sagt:

    Ich kenne einige Personen in meinem Bekannten- und Freundeskreis, die nichts anderes außer Arbeit kennen. Einer davon arbeitet sogar teilweise am Wochenende oder nach der eigentlichen Arbeitszeit weiter und finden keine richtige Ruhe. Man braucht mehr Ablenkung und Entspannung im Leben, um einen Burnout zu verhindern. Aber er lässt einfach nicht mit sich reden und meint, dass es ihm nicht widerfahren könne.

  2. Klara sagt:

    Burnout ist ein Phänomen das mit der intensiven Arbeit Anfangs des XX Jahrhunderts aufgetreten ist. Erschöpfung ist das wesentlichste Merkmal von Burnout und ist kein so modernes Phänomen, wie Sie vielleicht denken. Bereits vor über 100 Jahren wurde von Medizinern ein Syndrom beschrieben, dessen Hauptmerkmal Erschöpfung war, die sogenannte Neurasthenie. Die Ärzte fanden keinen objektiven Krankheitsgrund. Deshalb führten sie die Ursache auf Überarbeitung und den damaligen modernen Lebenswandel um 1900 zurück. Auch zukünftig wirken sich der hektische Alltag, der technische Fortschritt sowie die dauerhafte Forderung nach mehr Flexibilität auf uns aus. Voraussichtlich werden sich die Anzahl und die Art der Arbeitgeber, Arbeitsorte, Arbeitsgeräte und Arbeitsanforderungen immer weiter erhöhen. Daher sollten Sie sich mit der Thematik Stress und Burnout auseinandersetzen, weil sie einen wichtigen gesundheitlichen Aspekt für jeden Einzelnen darstellt. Sie sollten lernen, sich Ihren Stress bewusst zu machen, um einem Burnout effektiv vorbeugen zu können. Schon allein die Tatsache, dass Sie sich mit dem Thema auseinandersetzen bedeutet, selbst etwas gegen die Möglichkeit einer Krankheitsentstehung zu tun.

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