Warum TESLA das iPhone der Automobilbranche werden wird

© Tesla Pressefoto


Tesla-Chef Elon Musk hat nichts zu verlieren und ganz viel zu gewinnen – deutsche Automobil-Manager denken leider genau umgekehrt. Mit seinen „Open-Source-Patenten“ beweist Elon Musk jetzt endgültig, dass Tesla in Zukunft das iPhone der Automobilbranche werden wird.

Die drei deutschen Automobilhersteller sitzen wie die drei Affen da, sehen, hören und sagen nichts. Kein Kommentar, keine Reaktion, kein Presseartikel! Warum sollten sie auch? Es läuft doch gut, oder? Tolle Zulassungszahlen bestätigen das. Am Autohimmel glänzt aber währenddessen ein unbekanntes Flugobjekt immer heller.

Ist es ein UFO? Ist es ein Flugzeug? Nein, es ist Elon Musk, der Gründer von Tesla – der Super-Gau aller deutschen Premium-Autoproduzenten.
Super-Gau, weil der Markteintritt dieses Milliardärs in keinem Worst-Case-Szenario der Industrie anzunehmen war. Genau damit jedoch muss man heute rechnen, Markteintrittsbarrieren sind vorbei.

Supermann deshalb, weil der Automarkt nicht mehr wiederzuerkennen sein wird, wenn Elon Musk mit ihm fertig ist. Während die deutschen Automobilkonzerne lethargisch ihren Konsumenten, ihren Aktionären und sich selbst weiterhin etwas vormachen, dekonstruiert Elon Musk den Markt mit voller Wucht – fast so wie Steve Jobs den Handy-Markt.

Er hat es verstanden, um was es wirklich geht. Sein Denken wird nicht begrenzt durch alte, längst obsolete Strukturen, Konzepte und Kulturen. Elon Musk hat nichts zu verlieren und ganz viel zu gewinnen. Die deutschen Top-Manager der Autobranche denken aber genau anders.

Mutlose Industrie
Die Industrie ist mutlos. Die Konsumenten sind mutlos. Die Politik ist mutlos. In diesem Bermudadreieck der Mutlosigkeit kann natürlich kein kühner Plan funktionieren – der kommt meist gar nicht erst auf die Agenda dieser Gruppen.

Das ist auch kein Wunder, wenn man gefühlt alle paar Monate die Modelle verändert, einen neuen Außenspiegel, eine neue Rückleuchte entwerfen und produzieren muss. Da hat man keine Zeit für einen großen Plan oder eine Vision. Da verliert man sich im tagesgeschäftlichen Hickhack, auf dem Niveau des „Wimperntuschen-Produktlebenszyklus“.

Kreativ ist man heute allein in der Werbeagentur. Dort saugt man sich die Existenzberechtigung des Produktes aus den Fingern, lügt sich den „USP“ vor und täuscht damit den Kundennutzen vor. Kreativ ist man in der Autobranche nur noch in der weiteren Zerstörung der eigenen Marke. Innovativ ist man heute allein in der vorausschauenden Gesetzesgebung – um dem Konsumenten anschließend gesetzeskonform den wahren Verbrauch, die Energie-Effizienz und den CO2-Ausstoß zu verschweigen und zu belügen.

Die gesetzlich getürkten Tests gaukeln uns x-mal niedrigere Verbrauchswerte vor als jeder halbwegs seriöse Autotest. Innovativ ist man in der Autobranche nur noch in der weiteren Zerstörung der eigenen Glaubwürdigkeit.

Statt sich den Markt mit Unterstützung einer kurzsichtigen Politik zurechtzubiegen, krempelt Tesla die ganze Branche um. Keine Zwischenhändler. Keine Werkstattbesuche für Software-Updates (Apps werden ja auch jetzt einfach aus dem Netz heruntergeladen). Eine Flatrate für Werkstattbesuche. Eine umfassende, aber weniger rigorose Garantieregelung. Batterietechnik für jeden Hersteller. Supercharger-Ladesäulen-Zugang für alle. Und nun sind auch noch alle Tesla-Patente frei verfügbar.

Konsequent zu Ende gedacht kreiert Musk so in einem gesättigten Markt mindestens zwei marktbeherrschende Monopole: Batterien und Supercharger-Ladesäulen. Brot und Butter des zukünftigen e-Automarktes.

Tesla wird von der Autobranche wohl ebenso sehr unterschätzt wie seinerzeit das iPhone von den Handy-Produzenten. Bald wird sich auch hier die Spreu vom Weizen trennen. Bald kann man den Automarkt nicht länger auf dem Niveau eines einfachen Produktes beackern. Bald reicht es nicht mehr, Marktanteile im Kreise zu verschieben. Bald werden wieder wahre Kreativität und disruptive Innovation gefragt sein. Spätestens dann, wenn die Firmenwagen-Goldgrube an Tesla fällt – was nicht mehr lange dauern kann. Experten sprechen schon heute von einem besonderen Image-Faktor eines Tesla-Auftritts auf dem Golfplatz.

In den USA rangiert Tesla bereits vor den Premium-Modellen von BMW, Audi, Mercedes und Porsche. „In einem der wichtigsten Automärkte der Welt ist Tesla damit in der Oberklasse Marktführer. Ähnlich erfolgreich war das E-Auto zu Jahresbeginn in der Schweiz, in den Niederlanden und in Norwegen“.
Investor und Gründer von Tesla, Elon Musk hat verstanden, dass sein Investment mehr Früchte trägt, wenn er den Markt kreativ zerstört und nach seinen Regeln wie Phoenix aus der Asche neu auferstehen lässt. Er reiht sich damit nahtlos in die Reihe anderer kreativer Zerstörer ein: Google, Apple, Amazon. Wann werden die Manager und Investoren der deutschen Autokonzerne verstehen, dass ihr gesamter Markt bedroht ist?

Quelle: Kolumne v. Ralf Schwartz, WirtschaftsWoche

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