Das Recruiting-Dilemma der Zukunft

Personalmangel. Vollbeschäftigung. Kampf um Talente. 

Sven Gábor Jánszky (41) ist Deutschlands führender Zukunftsforscher und beschreibt in seinem neuesten Buch das Dilemma der Zukunft im Recruiting für die meisten Unternehmen. Während sie immer mehr gut qualifizierte Mitarbeiter brauchen, stehen auf dem Arbeitsmarkt immer weniger Bewerber zur Verfügung, ganz besonders auch im Vertrieb. Der gesamte Arbeitsmarkt befindet sich in einem radikalen Wandel.

So ist der davon überzeugt, dass sich die Art der Unternehmen, ihre Organisationsform und Personalstruktur entscheidend verändern wird. Es ist davon auszugehen, das ein Unternehmen welches seine Mitarbeiter wie bisher rekrutierten will, keine oder nur mehr sehr schwer Mitarbeiter bekommt. „Wenn Sie weiterhin ihre Stellenprofile auf ein Suchprofil schreiben und dieses dann an ein „schwarzes Brett“ hängen, egal ob in der Zeitung oder im Internet, dann bekommen Sie im Jahr 2025 exakt keine einzige Bewerbung mehr“, so Sven Gábor Jánszky.

Es werden sich seiner Meinung nach zwei sehr unterschiedliche Unternehmensformen bilden. Die fluiden Unternehmen und die sogenannten Caring Companies, die kümmernden Organisationen, die sich beide so charakterisieren lassen (lt. Karrierebibel):

Fluide Unternehmen

Caring Companies

Haben keine festen Mitarbeitergrenzen, allenfalls so etwas wie eine Rumpfbelegschaft. Alle weiteren freien Mitarbeiter wirken projektweise zusammen. Dadurch werden Talente durch hohe projektbezogene Entlohnung schnell angezogen, danach aber auch wieder schnell abgestoßen.

Vorteil: hohe Dynamik und Flexibilität, man arbeitet mit den jeweils besten Köpfen zusammen, in extrem flachen Hierarchien.

Nachteil: Es gibt keine internen Karrieren, keine Bindung zum Unternehmen, kaum Sicherheiten.

Diese Unternehmen binden nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch deren Familien, Kinder, Partner. Entsprechend bieten Sie neben Jobs auch Wohnraum, Kinderbetreuung, Fitness und Gesundheitsvorsorge, Freizeitangebote – anders ausgedrückt, fast eine „perfekte Familie“.

Vorteil: Das „Rundum-Sorglos-Paket“ für Arbeitnehmer und deren soziales Umfeld. Auch finanzielle Vorsorge ist ein wichtiger Bestandteil.

Nachteil: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen völlig.

Die beste Strategie für Unternehmen sich diesem Trend auch im Recruiting anzupassen, besteht darin, eine perfekte Employee Value Proposition* zu entwickeln. Und zwar abgestimmt auf genau eine dieser beiden Trends.

Dabei kommt es auf das ganzheitliche Verständnis an: So sollte die Employee Value Proposition als Strategie alles umfassen, was die Arbeitswelt eines Unternehmens aus Sicht des potenziellen Mitarbeiters ausmacht – die Vision, die Mission und die Werte des Unternehmens, die Gestaltung der Arbeitsplätze sowie das gesamte Portfolio an Vergütungs-, Entwicklungs- und sonstigen Programmen, sowie den Karriere-Chancen. Dazu gehört natürlich auch, was das Unternehmen für diese Leistungen als Gegenleistung vom Mitarbeiter erwartet.
Zwei Richtungen im Recruiting, die sich in starker Abhängigkeit befinden, sind dabei von Bedeutung:

  • Mitarbeitergewinnung: Die wichtigsten Inhalte müssen sich in den konkreten Maßnahmen und Inhalten sämtlicher Employer-Branding-Aktivitäten, wie Mitarbeiter-Webpage, besonderen Stellenanzeigen, fokussierten Bewerbermessen, abgestimmten Social Media Aktivitäten, etc. wiederfinden und aufeinander abgestimmt sein.
  • Mitarbeiterbindung: Die in der „Employee Value Strategie“ formulierten Leitlinien müssen ihren Widerhall auch in allen erlebten Personalinstrumenten und in der „gelebten Praxis“ wiederfinden. Denn authentisches Recruiting funktioniert nur, wenn die Praxis, jene in der Mitarbeitergewinnung versprochenen Inhalte, auch im täglichen Tun „beweist“.

* Die Employee Value Proposition ist prägnanter Ausdruck des gesamten Nutzenspektrums, das die Mitarbeiter in einem Unternehmen genießen. Es ist ganz einfach die Essenz der Antwort auf die Frage, wie es ist, in einem Unternehmen zu arbeiten, und was die Mitarbeiter ganz spezifisch davon haben.

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