„Ich bin dann mal weg“ (auch als Vertriebsmanager)


Sebastian Herzog will alles: einen tollen Job, berufliche Herausforderungen und anspruchsvolle Aufgaben – und trotzdem den Freiraum, um regelmäßig sein Fernweh zu stillen und viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Deshalb hat sich der junge Manager, der bei einem deutschen Industrieunternehmen eine beeindruckende Karriere gemacht hat, bereits öfters in seinem Leben eine längere berufliche Auszeit gegönnt – und ist um die ganze Welt gereist.

„Auf den richtigen Zeitpunkt kann man nicht warten, denn es gibt den richtigen Zeitpunkt nicht“, sagt der Manager. „Man muss es einfach tun!“ So tauschte er vor einiger Zeit zwei Monate lang den Schreibtisch gegen sein Motorrad, um mit einem Kollegen durch Asien zu reisen. Über dieses Abenteuer schrieb er dann auch ein Buch, „Einfach weg, einmal  Afrika und zurück“.

„In den längeren Auszeiten kann man seine Batterien wieder komplett aufladen“ sagen viele, die diesen Schritt bereits einmal gewagt haben.

Die traditionellen Werte des Arbeitslebens haben ausgedient: Nicht nur unser Vertriebsmanager misst traditionellen Statussymbolen wie Titeln, Posten und (meist auch) Gehalt nur noch eine begrenzte Bedeutung bei. Angestellte, Führungskräfte und Top-Manager sehnen sich zunehmend nach Veränderung und suchen einen Job, der nicht nur Geld und Prestige bringt, sondern vor allem Sinn stiftet, Spaß macht und auch noch Raum für ein erfülltes Privatleben lässt. Besonders das Letzte ist den Österreichern und Deutschen laut einer Umfrage besonders wichtig: Danach wünschen sich 82 Prozent, dass neben ihrem Job mehr Zeit für Familie, Partner und Freunde vorhanden ist. Vorreiter dieses Trends,  ist einerseits die Generation Y, also die zwischen 1980 und 2000 Geborenen. Aber auch viele 30- bis 50-Jährige hinterfragen bestehende Karrieremuster und Leistungsanreize – und suchen nach Alternativen. Das Leben muss einfach mehr bieten als nur einen Job, bei dem mit 50 das „Burn-out“ kommt.

Ein Grund für den Wandel: Das alte Vorbild vom Karrieristen und Einzelkämpfer verliert an Bedeutung. „Die junge Generation sieht, dass das klassische Karrieremuster nur selten glückliche, stolze und zufriedene Menschen hervorgebracht hat“, sagt die Psychologin Tatjana Schnell, die sich seit Jahren an der Universität Innsbruck mit dem Thema Sinnforschung beschäftigt. „Hohe Gehälter, Karriere und Statussymbole werden durch Selbstausbeutung erkauft und enden viel zu oft im Burn-out. Das ist kein Vorbild, an dem man sich orientieren will.“

„Aber ist diese Auszeit auch im VERTRIEB möglich“, werden Sie sich fragen? Ich glaube JA. Es muss sogar möglich sein, denn gerade im Vertrieb ist die Gefahr mit 50 ausgebrannt zu sein noch viel größer. Ich gebe natürlich zu, dass es im Vertrieb durch die engen Kundenbeziehungen noch viel schwieriger ist, einfach mal auszusteigen. Aber mit einer guten und langfristigen Vorbereitung, Vertrauen zur eigenen „Vertretung“ und mit einer guten Portion Selbstbewusstsein, sollte auch dieser Schritt gelingen.

„Unterwegs merken Sie dann nach einer Weile, wie schön Entschleunigung ist und dass das Leben weit mehr zu bieten hat als einen (wenn auch tollen) Job“, erzählen „Aussteiger“ immer wieder. „Dann habe ich auch wieder die Muße, mich den wichtigen Fragen des Lebens zu widmen: Wer bin ich, wo stehe ich, was will ich wirklich vom Leben?“

Denken Sie über diese Möglichkeit einmal nach! Das Leben ist so schön – aber insgesamt doch zu kurz um nur zu „arbeiten“!

Quelle: Focus (Nr. 14/2015)

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