Kulturwandel 4.0 im Vertrieb und im Unternehmen – DU oder SIE?

face_1„Siezt“ Du noch – oder „duzt“ Du schon? Das ist heute die Frage!

Der Vorstand des Handelskonzerns Otto Group will seine weltweit über 53.000 Mitarbeitern mehr einbinden und hat ihnen deshalb das Du angeboten. Hans-Otto Schrader möchte von seinen Mitarbeitern künftig „Hos“ genannt werden – vorausgesetzt natürlich diese sind einverstanden. Die Mitarbeiter zu duzen, schafft Nähe, das förmliche Sie sorgt mehr für Distanz. Beide Anreden können als Instrument zur Führung genutzt werden, haben aber beide ihre Tücken.

„Wir wollen im Unternehmen zu einem noch stärkeren ‚Wir‘-Gefühl kommen. Das hat viel mit flachen Hierarchien und der Bereitschaft zu tun, Verantwortung zu übernehmen. Der Weg zum ‚WIR‘ geht einfacher über das DU“, begründete Otto-Chef Schrader seine Entscheidung. „Das DU ist ein äußeres Zeichen, dass etwas Neues beginnt, eine Art verbaler Startschuss für unser Projekt Kulturwandel 4.0“, sagte er. Durch das Duzen fallen natürlich Barrieren weg, was zu einer produktiveren Zusammenarbeit führt, genauso erleben wir es auch bei Menschen im Vertrieb. Aber wie sieht es eigentlich im Verkauf aus?

Im Vertrieb ist es regional total unterschiedlich. So wird in vielen Regionen in Österreich, insbesondere im Westen, das DU auch im Verkauf (Außendienst) aktiv und ganz selbstverständlich angewendet – und kaum einer nimmt es übel. In Wien oder Ostösterreich schaut es da schon wieder ganz anders aus!

Noch einmal ganz anders sieht es im internationalen Vertrieb aus. Die skandinavischen Sprachen bzw. die englische Sprache kennen kein Sie. Daher duzt man sich zwangsläufig und spricht seinen Gesprächspartner immer auch gleich mit dem Vornamen an. Ein „Herr Peter Miller“  ist in den nördlichen und englischsprachigen Ländern undenkbar.  So übernehmen die Nordländer, wo viele gut Deutsch sprechen, auch das bekannte DU und ignorieren das deutsche SIE einfach. Deutsch sprechende Amerikaner oder Engländer haben umgekehrt oft das Problem DU und SIE nicht trennen zu können. Daher Siezen sie sicherheitshalber – man will ja schließlich nichts verkehrtes tun.
Im Spanischen gibt es gleichwohl wie im Deutschen ein DU (Tu) und ein SIE (Usted). Allerdings ist das förmliche Usted im täglichen Umgang eher gebräuchlich, insbesondere in großen Städten und da im Geschäftsleben wird es stark verwendet.
Franzosen und Italiener praktizieren ebenfalls meistens das förmliche „Vous“ und „Lei“ – wobei aber die jüngere Generation auch im Geschäftsleben immer häufiger schnell zum DU (tu) übergeht.

Das DU bringt aus meiner Sicht für eine besonders gute Verkäufer-Kunden-Beziehung viele Vorteile, genauso wie in der Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung. Eines muss einem aber klar sein – das DU lässt sich in der Regel nicht mehr rückgängig machen. Das kann ein Problem sein, das besonders in international aufgestellten Unternehmen auftreten kann. Z. B.  fliegt ein Mitarbeiter mit seinem Vorgesetzten, dem Herrn Dr. Müller, für einen Geschäftstermin nach Amerika, wo er den „Herrn Dr. Müller“ wie alle anderen auch nur noch „Herbert“ nennt. Schließlich ist man in den USA immer beim „you“. Kaum sind die Geschäftspartner aus dem Raum, wird das gute alte SIE wieder hervorgeholt. Spätestens aber dann im Flugzeug zurück nach Hause. In so einem Fall hilft nur eines: Vor dem Abflug schon klären, wie man in beiden Kulturkreisen miteinander umgehen will und vor allem auch danach.

Laissez-faire bei deutschen und österreichischen Unternehmen: Bei Otto wird der Chef geduzt, bei Vodafone hat er kein eigenes Büro mehr und bei Daimler und Continental entfällt die Krawattenpflicht. Ist das ein Zeichen des neuen Kulturwandels 4.0?

Wie im Englischen das „you“ kann auch das „DU“ sowohl freundschaftlich als auch geschäftlich verwendet werden. Fingerspitzengefühl ist in der neuen KULTUR 4.0 also gefragt! Das Duzen liegt im Trend und auch an der Globalisierung und damit verbunden auch am Englischen. Viele Unternehmen wollen sich damit auch ein junges, dynamisches Image verleihen. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass sich das in der Vorgesetzten-Mitarbeiter-Beziehung weiter verbreiten wird. In der Verkäufer-Kunden-Beziehung hingegen wird es sich wahrscheinlich auf die regionalen Gegebenheiten (wo es auch heute schon praktiziert wird) beschränken und sicher nicht allgemeingültig werden – auch weil die Distanz (zumindest zum Beginn eines Gesprächs) viel größer ist.

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