Warum Sie als Führungskraft von militärischen Eliteeinheiten lernen können

© kaninstudio – Fotolia.com

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Ein zu martialischer Ansatz für Manager?

Keineswegs! Viele große Konzerne nutzen Ihre Kontakte zu Militär und Polizei um aus einsatzerprobten Strategien wertvolle Erkenntnisse für Ihre Unternehmen abzuleiten.

Welchen Grund kann es dafür geben? Bevor wir zu einigen Details kommen, möchte ich das Thema grundlegend betrachten. Wie man auch aus der weltpolitischen Situation erkennen kann, werden wir tagtäglich mit Informationen gefüttert, die wir sehr wohl in ihrer Form als auch Umsetzung hinterfragen sollten.

Mir geht es in diesem Artikel heute um eine rein sachliche Betrachtung und ich stelle die Moral dieses Mal bewusst bei Seite. Am leichtesten können Sie Erkenntnisse in diesem Artikel ableiten, wenn sie beim Lesen an Ihr Unternehmen, an Ihren Verkauf, Ihren Vertrieb, denken.

Eliteeinheiten des Militärs sind schlagkräftig, präzise in ihren Ausführungen und sie agieren immer im Team.

Sie bewegen sich in extremen Situationen und sind in ihren Teamstrukturen stark ausgeprägt. Versagen bedeutet den Verlust des Lebens. Wie diese Uhrwerke ticken bleibt oft ein Geheimnis. Etwas genauer hinzusehen kann aber dabei helfen, Verknüpfungen zum modernen Management herzustellen und Erkenntnisse für ein professionelles (internes oder externes) Consulting zu erzielen.

Viele Möglichkeiten und Erfolgsmodelle lassen sich daraus ableiten und geben Ihnen als Manager die Chance, neue Ansätze und Erkenntnisse zur Mitarbeiterführung, für Verkaufstrainings, für Recruitingprozesse oder Ihren allgemeinen Unternehmensaufbau zu gewinnen.

1. Das klare Kerngeschäft und die eindeutige Positionierung

Die Positionierung gelingt in diesem System perfekt. Jeder von der Spitze bis zum einfachen Soldaten weiß über das Kerngeschäft exakt Bescheid. Es gibt keinerlei Diskussion darüber, wofür der Soldat ausgebildet wurde und warum er hier ist. Das zeigt sich auch bei internationalen Wettbewerben immer wieder. Durch diese klare Positionierung gelingt es auch, Teams aus verschiedenen Nationen und an verschiedenen Standorten bestmöglich zum Einsatz zu bringen. So funktionieren auch gemeinsame internationale Einsätze, in denen Zusammenspiel und Koordination zwingend notwendig sind, ausgezeichnet.

Das militärische System der Eliteeinheiten nutzt die neuesten Techniken und steckt sehr viel Geld in Forschung und Entwicklung. Die ständige Aus- und Weiterbildung basiert auf jahrelangen Erfahrungen, integriert in die Problemstellungen von heute. Sobald sich ein neuer Krisenherd auftut kommt folgendes System zum Einsatz:

  • Die Krise wird durchleuchtet und analysiert.
  • Es werden alle neuen Erkenntnisse und Technologien sowie Informationen zur Lösung herangezogen.
  • Es werden für die Problemlösung jene eingesetzt, die bis dato die beste Leistung erbracht haben, erprobt und mutig genug sind, auch in unbekanntes Terrain vorzudringen.
  • Die Teams werden ohne Ausnahme mit allem Notwendigen versorgt (neueste Erkenntnisse der Aufklärung, neueste Ausrüstung sowie eine perfekte Vorbereitung durch laufende Trainings und Briefings, solange bis die Sache sitzt – so praxisnahe als möglich)
  • Die Teams stehen im Einsatz ständig unter Beobachtung und haben eine Vielzahl an Kommunikationsmitteln zur Verfügung.
  • Es gibt immer gut geplante Notfallpläne (Was ist wenn?), die ohne große Verzögerung und Absprachen im Notfall zur Verfügung stehen.
  • Die Teams sind vor Ort für sich selbst verantwortlich und können Entscheidungen treffen die auch von „oben“ gedeckt sind. Oft gibt es eine Ermessensfrage, aber mit klaren Regeln.
  • Die Teams werden nach dem Einsatz wieder in ihren Truppenkörper integriert und die gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen sofort verwertet und geteilt.
  • Fehlerquellen, aber auch erlebte Erfolgsprinzipien werden umgehend analysiert, aufbereitet und dem Truppenkörper, als auch dem System sofort zur Verfügung gestellt.
  • Diese neuen Erkenntnisse sind nun der neue Standard für genau diese Art von Krise.

2. Der Ehrenkodex – das Leitbild 

Elitesoldaten sind sich sehr wohl bewusst, dass sie nur im Team stark sind. Es werden keine Einzelkämpfer ausgebildet, sondern immer nur „ein“ funktionierendes Team, aber jeder auch mit der Fähigkeit als Einzelkämpfer zurechtkommen zu müssen.

Der Ehrenkodex bedingt ein eindeutiges Verhalten gegenüber meinem Team und meiner Einheit. Dieser Kodex ist eine eindeutige Botschaft, wie die Mitglieder dieser Einheiten zu sich und anderen stehen. Dies stärkt das Vertrauen in den anderen und signalisiert ein gemeinsames Gedankengut, das sich auch in Handlungen widerspiegelt.

3. Personalauswahl und Recruiting

Kurz gesagt: Die Klasse aus der Masse! Denn Fehlgriffe bei der Auswahl im Recruiting können tödlich sein und eine gesamte Mission gefährden! Elitesoldaten durchlaufen extrem harte, psychische und physische Tests und Ausbildungen. Intelligenz, Koordination- und Teamfähigkeit wird in praktischen, aber auch psychologischen Tests von eigenen Experten ermittelt. Die komplette Integration (das „Onboarding“) eines „Rookies“ erfolgt sehr systematisch und immer erst nach einer gewissen Zeit, in der er sich der NEUE in kleineren Aufgaben beweisen muss.

4. Die Teams

Sie wissen oft mehr über Ihre Kollegen, als der eigene Partner und sie haben zusätzlich einen automatisierten Teamgeist entwickelt. Dieser ist in jeder Situation abrufbar. Darüber muss nicht lange nachgedacht oder diskutiert werden. Hier steht das Vertrauen in die Leistung des Kollegen im Vordergrund.

5. Der Auftrag – die Mission

Die Mission ist klar kommuniziert und wird von allen verstanden. Jeder im Team kann daraus seine Aufgaben als Spezialist oder als Ersatz eines Spezialisten ableiten. Was so viel heißt: Jeder kann den Anderen bis zu einem gewissen Grad ersetzen, ohne die ganze Mission aufzuhalten oder zu gefährden.

6. Plan B

Der Plan B ist nicht wie üblich ein abgeschwächter Plan, sondern meist sogar ein noch massiverer Plan. Plan A geht immer mit einer Min. – Max. Strategie ins Rennen. Minimaler Aufwand (Unauffälligkeit und Überraschung), maximales Ergebnis (wenig eigene Ausfälle und volle Zielerreichung).

Der Plan B hat immer auch das volle Potenzial der Zielerreichung, steht aber aufgrund der oben genannten Gründe in der Warteschleife. Dieser gewährt auch mit veränderten Rahmenbedingungen (Ausfall von Soldaten, Vernichtung von Ausrüstung, veränderte Rahmenbedingungen vor Ort usw.) eine Fortführung der Mission. Eindeutig ist aber die Ausrichtung beider Pläne auf eine 100%ige Zielerreichung.

7. Leistungshonorierung und Status

Die Geschichten der Soldaten sind meist Geheimnisse und werden nicht wirklich in der Öffentlichkeit diskutiert. Ihre Leistungen lassen sich aber anhand ihrer Auszeichnungen (z. B. Orden) nachverfolgen. Besondere Erfolge werden honoriert, zelebriert, gewürdigt und auch für andere transparent gemacht. Das stärkt die Zugehörigkeit und die Motivation. Die Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen ist dabei ein wesentlicher Bestandteil.

Überlegen Sie nach diesen Ausführungen selbst, ob mein angestrebter Vergleich zu vertrieblichen Aufgaben und Tätigkeiten standhält und ob Sie daraus auch Erkenntnisse für Ihre tägliche Arbeit als Führungskraft, z. B. als Geschäftsführer oder  Vertriebsleiter, ableiten können. Meine Meinung ist: „Verkauf und Vertrieb hat sehr viel mit dem Einsatz von Eliteeinheiten zu tun!“

Björn R .Horina
Leitung Sales Academy
Vertrieb und Verkauf

PS: Übrigens, unsere Spezialeinheit COBRA aus Österreich belegte bereits einmal Platz 1 des „Who is Who“ im internationalen Wettbewerb „Warrior Competition Kasotc“ – Jordanien“ 2011 (Quelle Kommando – International Special Operations Magazine 5/2011)

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Ein Kommentar zu Warum Sie als Führungskraft von militärischen Eliteeinheiten lernen können

  1. Im ersten Moment fand ich den Vergleich zum Militär etwas hart, aber die Analogie ist in jedem Fall gelungen! In überraschend vielen Punkten gibt es klare Überschneidungen. Ich bin allerding auch der Meinung, dass nicht alle Punkte auf jedes Unternehmen und jeden Bereich zutreffen.

    Es gibt Situationen, die erfordert ein möglichst offenes und kommunikatives Arbeitsumfeld. Komplexe oder kreative Arbeiten beispielweise können nicht bis ins Kleinste vorausgeplant werden und erfordern Flexibilität. Denkt man hingegen an einen Notfall, dann ist es wichtig, dass jeder Mitarbeiter seine Rolle kennt und wie zuvor geplant vorgeht. Also sicher nicht zu verallgemeinern, welches nun der „richtige“ Führungsstil ist.

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