Fließband-Diskonter oder Erlebnis-Manufaktur im Recruiting

© vkara – Fotolia.com

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In manchen Recruiting-Unternehmen ist der Bewerber nur eine Nummer in der Bewerberdatenbank, und die Abfertigung des Kandidaten wird nach dem Prinzip „Fließband“ abgewickelt. In anderen ist das Bewerbungsgespräch noch genauso ein Unikat wie der Bewerber selbst. Es funktionieren grundsätzlich beide Modelle, doch nur eines macht die Bewerber zu Fans – und das Unternehmen  (Recruitingunternehmen, genauso wie Auftraggeber) zukunftsfähig.

Es gibt eben zwei Arten einer Recruiting-Dienstleistung: eine, die Kandidaten wie Nummern auf einer Liste abhakt, oder eine zweite, die für individuellen, persönlichen Service bei Kandidaten sorgt – und diese Menschen dann als Fans (oft auch als „Empfehler“ und damit Auftraggeber) wiederkommen lässt. Beide Modelle können (heute noch) funktionieren.

Menschen im Vertrieb glaubt (langfristig) nur an die Erlebnis-Manufaktur! Warum?

Recruiting (speziell der Kampf um High Potentials im Vertrieb und Verkauf) war und ist nach wie vor immer aufwendig. Und – siehe demographischer Wandel, Stichwort Generation Y – es wird eher noch aufwendiger.

Da könnte der Gedanke nahe liegen, dass in komplexen Bewerbungsverfahren, durch digitale Technologien geschaffenen Möglichkeiten, Abhilfe und Erleichterung schaffen. In der industrialisierten und digitalisierten Welt geht es fast immer darum, die Kontaktaufnahme für alle möglichst effizient und schnell zu gestalten und die Interaktion mit den Bewerbern auf ein zeitliches Minimum zu reduzieren. Denn Zeit ist ja bekanntlich Geld!

So können sich immer öfter Unternehmen bei der Besetzung einer Stelle von neuen, „innovativen“ Varianten mancher „Fließband-Recruiter“ unterstützen lassen. Diverse Verfahren extrahieren zum Beispiel, anhand selbsterlernender Algorithmen und neuronaler Netze, die relevanten Informationen aus den online erhaltenen Bewerbungsdaten der Bewerber, analysieren und kombinieren diese und senden dann in kürzester Zeit einen Bericht an den Personal-Entscheider im Unternehmen. Dieser muss dann natürlich nur mehr wenig Zeit für (die lästigen = Ironie) persönlichen Gespräche mit den (vermeintlich passenden) Kandidaten „investieren“.

Wo führt das hin? Maschinen wählen Menschen aus? Braucht man dann überhaupt noch Recruiter? Im Vertrieb? Dort wo menschliche Faktoren, wie Beziehung und Vertrauen so wichtig sind!

Wir glauben nur bedingt daran! Deshalb werden wir unseren Weg der Recruiting-Manufaktur weiter fortführen.

Qualität ist immer der Abgleich zwischen Erwartungen und Erlebnis

Um Top-Kandidaten zu finden, sind Aufmerksamkeit und persönliches Interesse inzwischen geradezu Pflicht. Wir kümmern uns ganz persönlich um unsere Bewerber und gehen die berühmte „Extra-Meile“, um den Service bestmöglich zu individualisieren.
Der individuelle Touch im ganzen Bewerbungsprozess wird immer selbstverständlicher, der Event-Charakter für den Kandidaten immer zentraler. Besondere Talente wollen das besondere Erlebnis. Sie verlangen die persönliche Ansprache im Austausch für ihr wertvollstes Gut: ihre personenbezogenen Daten.

Alles ist Service – ohne Service ist alles nichts

Diese Entwicklung birgt zwei große Herausforderungen für den Service in jedem Unternehmen. Ganz gleich übrigens, ob es sich um ein Unternehmen der produzierenden Industrie oder einen Dienstleister wie uns handelt: Service ist in Zukunft das alles entscheidende Alleinstellungsmerkmal in jeder Branche.
Die erste große Herausforderung ist die konsequente und eindeutige Entscheidung für ein Thema: entweder Fließband-Service oder Manufaktur. Die zweite Herausforderung besteht darin, diese Entscheidung ganz konsequent durchzuziehen und in jedem Kundenkontaktpunkt anzuwenden.

Begeisterung bei Kandidaten

Wenn Manufaktur, dann aber richtig: Nichts enttäuscht einen Bewerber mehr, als wenn die persönliche Beziehung mit unpersönlichen Maßnahmen kombiniert wird. Sobald der Verdacht aufkommt, dass wir uns doch in der „kundenverarbeitenden Industrie“ – im „Fließband-Recruiting“ befinden, nimmt das Vertrauen enormen Schaden.

Service ist das Alleinstellungsmerkmal der Zukunft

„Service-Excellence“ beruht immer auf einer persönlichen Beziehung zum Kandidaten bzw. Kunden, und Beziehungen bedeuten auch immer Aufwand und kosten Geld. Ein Unternehmen, das dazu nicht bereit ist, soll sich gleich für die Diskontschiene entscheiden. Denn eines verzeiht der Kunde nie: Wenn er sich getäuscht fühlt. Eine Diskonter-Mentalität mit einer edlen Manufaktur-Fassade zu kaschieren ist ein Vertrauensbruch am Kunden. Die Menschen spüren den Unterschied. Und sie vergessen auch nie – denn Beziehung bleibt Beziehung.
Ein Bewerber mit hohem emotionalem Anspruch kann zum Fan werden und möglicherweise auch zum neuen Auftraggeber. Wir sind überzeugt, wer in Zukunft im Recruiting noch in der Champions League spielen will, wird mit den steigenden Service-Ansprüchen mithalten müssen: Erfolgreiche Dienstleistungs-Unternehmen auch im Training, denken heute nicht in Geschäftsideen, sondern in Service-Ideen.

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