Sind Verkäufer im Einzelhandel überhaupt noch notwendig?

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Welche Aufgaben haben Verkäufer im Einzelhandel eigentlich? 

Verkäufer und Verkäuferinnen sind vorwiegend in Handelsunternehmen tätig. Zu den wichtigsten Aufgaben zählen dabei der Verkauf sowie die vor- und nachbereitenden Arbeiten (Warenlogistik, Service an der Kasse, Verkaufsförderung, Bestandspflege und Inventur) in beratungs- und selbstbedienungsorientierten Betrieben. Soweit zur klassischen Definition!

Aber sind Verkäufer in Zukunft im Einzelhandel überhaupt noch notwendig? Die meisten Kunden wollen doch eh nur ganz schnell einkaufen (keine Schlangen, keine Kassen) – einfach einpacken und gehen.

Amazon revolutioniert mit AMAZON GO gerade den Einzelhandel! Amazon Go erfindet die Idee des Einkaufens mit dem ersten, nun in Seattle eröffneten Store, neu. Keine Kassen. Kein Anstehen.  Kein Warten. Kaum Mitarbeiter. Dafür ganz viel Technik und Sensorik. Ein „Gamechanger“ für den Einzelhandel. Geschäfte ohne Kassenbereich! 

In Seattle gibt es eben jetzt den ersten Amazon-Go-Store, zunächst nur für Amazon-Mitarbeiter in einer Beta-Phase geöffnet, ab Anfang 2017 dann für alle, erstmals nur in den USA. Für Amazon Go braucht es einen Amazon-Account, ein Smartphone und die passende Amazon-Go-App.

Per Strichcode checkt man wie am Flughafen am Eingang in den Laden ein. Von nun an erkennt die Sensorik im Laden, was man aus dem Regal nimmt und ob man es zurückstellt. Ab in die Tasche damit und raus aus dem Geschäft. Was rausgenommen wird, kommt in den virtuellen Warenkorb, was zurückgelegt wird, wird wieder gelöscht. Abgebucht wird automatisch per Amazon-Account, die Rechnung kommt dann aufs Handy. Technik, übrigens aus den selbstfahrenden Autos, die fasziniert, weil sie so wunderbar einfach ist.

Ergänzung zu AmazonFresh

Amazon war bereits zuvor in das Lebensmittelgeschäft eingestiegen und liefert über seinen eigenen Service AmazonFresh die Produkte zum Kunden nach Hause. Der neue Supermarkt ist das Ergebnis einer Erkenntnis, dass sich nicht alle Waren für den Online-Versandhandel eignen. Amazon Go ist daher die ideale Ergänzung zu AmazonFresh. Zukünftig werden hunderte dieser Läden im Land eine echte Bedrohung für die bestehenden Supermarkt-Ketten werden – auch in Europa. 

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Das Resümee der Vor- und Nachteile ist: Viel mehr Komfort, aber leider auch viel weniger Menschen

Einige Probleme des stationären Handels werden damit gelöst:

  1. Es erhöht den Komfort der Kunden.  Kein Anstehen bei der Kasse. Kein Bezahlen. Kein Bargeld. Und damit keine Zeitverschwendung und weniger Stress.
  2. Es macht Diebstahl fast unmöglich, weil man ja erst einmal einen Amazon-Account plus Go-App braucht, um den Laden betreten zu können. 
  3. Das Geschäft bleibt besser sortiert. Wenn eine Ware aus dem Regal genommen wird, ist sie im virtuellen Warenkorb. Nur wenn man sie auch zurück ins exakte Regal legt, wird sie wieder gelöscht. Irgendwo etwas rausziehen und woanders wieder reinstecken geht gar nicht mehr – denn dann bezahlt man es auch.
  4. Bisher beschränkt sich das Amazon-Go-Konzept nur auf frische Lebensmittel und Snacks. Aber natürlich ist das Konzept auch denkbar für Fachgeschäfte, wie z. B. im Elektro- oder Sporthandel
  5. Amazon wir jetzt auch real – sozusagen Amazon zum Angreifen.

Aber es gibt natürlich auch einige Nachteile:

  1. Mitarbeiter, insbesondere Verkäufer werden überflüssig. Der Verkäufer wird im Einzelhandel wirklich bald der Vergangenheit angehören. 
  2. Der Einzelhandel ist eine wichtige Stütze unserer Wirtschaft. Aber schon heute sind in vielen Städten ganze Straßenzeilen leer und ohne Geschäfte. Mit Amazon Go wird sich dieses „Händlersterben“ weiter fortsetzen und sogar beschleunigen! 
  3. Mit Amazon Go werden noch mehr Daten, noch mehr Infos gesammelt und damit jeder Einzelne mit noch mehr personalisierter und GEO-optimierter Werbung überhäuft.
  4. Was passiert bei fehlerhaften Buchungen? Ohne Ansprechpartner im Geschäft wird es schwieriger diese wieder zu korrigieren.

Chancen für den Einzelhandel in Europa:

  1. Es gibt die große Chance durch Amazon Go den Einzelhandel in Europa wieder attraktiv zu machen. Durch mehr und bessere Beratung. Durch einzigartigen Service!
  2. Es besteht noch genügend Zeit für den Einzelhandel in Europa, um auf diese neue Technologie zu reagieren und noch bessere Lösungen durch eine aktive Innovations-Politik zu kreieren.

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Ein Kommentar zu Sind Verkäufer im Einzelhandel überhaupt noch notwendig?

  1. Ein qualifizierter Verkäufer veranlasst seine Kunden zu Taten. Dazu gehört aufrichtiges, menschliches Interesse und eine authentische Kontaktqualität. Kunden besuchen den Einzelhandel für das gute zwischenmenschliche Gefühl. Sie suchen Bestätigung.

    Das es auch anders geht, beweist der Erfolg im Online Handel. Aber Menschen ticken nicht gleich. Darum haben beide Formen ihre Berechtigung.

    Die aktuellen Entwicklungen fragen jedoch mehr Aufmerksamkeit: der Einzelhandel mit seinem Verkaufspersonal steht vor Herausforderungen im Umgang mit den Kunden. Durchschnitt war gestern. Dem Kunden unvergessliche Wohlfühlmomente zu schenken ist heute: Fakten führen zu Schlussfolgerungen – Emotionen zu Taten.

    Verkaufen 4.0 ist keine Einbahnstraße und sollte nicht mehr mit der bei Verkäufern beliebten Frage „kann ich Ihnen helfen“ beginnen. Sonst besteht die Gefahr, dass irgendwann dem Einzelhandel nicht mehr zu helfen ist.

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