Der hohe Preis von Geiz ist geil!

Ein Kilo Putenfleisch um einen Euro, 10 Eier für 99 Cent, ein Flug von Wien nach Barcelona um € 9,99.

Diese aberwitzigen Dumping-Preise kommen uns leider teuer zu stehen. Und zwar egal, ob wir dieses Produkt oder diese Dienstleistung kaufen oder nicht. Denn unsere Arbeitsleistung, oft auch unser Steuergeld oder die Schäden an Umwelt und Klima stecken bereits drin. Wieso diese Billigpreise in Wahrheit am teuersten sind – hier ein kleiner Überblick.

Würden wir die wirklichen Kosten für ein Kilogramm Putenfleisch oder für den Flug von Wien in eine andere europäische Hauptstadt kennen, dann würden wir unser Kaufverhalten wahrscheinlich ganz schnell ändern. Leider sind uns die tatsächlichen Kosten oft nicht bewusst oder schlichtweg egal. Wir schauen gar nicht drauf, sondern erfreuen uns nur, dass wir wieder ein paar Euros gespart haben.

Der Preis des Geizes am Beispiel des Billigfliegens in Wien

So hat sich zum Beispiel in nur drei Jahren die Anzahl der Flugzeuge von Billig-Airlines am Standort Wien mehr als verdoppelt. Neben Ryanair mit der Österreich-Tochter Laudamotion kämpfen die britische easyJet, die ungarische Wizz Air sowie Level und Vueling um Marktanteile. Die österreichische Lufthansa-Tochter AUA ist in der Folge gezwungen ihre Preise anzupassen, um nicht mit leeren Flugzeugen dazustehen. Die Folgen sind bekannt: Der Gewinn der AUA brach nach neun Monaten um 85 Prozent ein. Ein massives Sparpaket ist die Folge. Entlassungen stehen bevor.

Trotz immer neuer „Passagierrekorde“ sind die Verluste so gut wie aller Billig-Airlines in Wien überdurchschnittlich hoch. Sie zeigen, dass sich dieses Geschäftsmodell unter den gegebenen Bedingungen wirtschaftlich nicht erfolgreich betreiben lässt. Die Kosten für Personal, Anschaffung umweltfreundlicherer Flugzeuge, Betrieb und Wartung der Maschinen können mit den verkaufen Tickets nicht beglichen werden.

Die österreichische Fluglinie Laudamotion wird 2019 mit einem Minus von 75 bis 80 Millionen Euro das Jahr 2019 abschließen. So wurden in den ersten beiden Betriebsjahren bereits mehr als 220 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Pro Woche gehen in etwa eine Million Euro verloren.

Kann dieses ausschließlich auf „Verdrängung“ ausgerichtete Geschäftsmodell in unserem Sinne sein? Auf den ersten Blick ja, aber wenn wir die Situation weniger egoistisch betrachten, dann sicher nicht. Als Konsument haben wir die Möglichkeit, nicht ausschließlich auf den billigen Preis zu schauen. Und wir haben die Möglichkeit uns dann bewusst gegen den Discounter, der nur das billigste Fleisch, die billigsten Bananen aus Übersee oder gegen die Billigfluglinie zu entscheiden!

Drei Gründe als Beispiel, warum uns extrem BILLIG immer teuer kommt

  • Volkswirtschaftliche Gründe: So hat die Billigflugbranche, die industrielle Landwirtschaft oder die Massentierhaltung ihren volkswirtschaftlichen Preis: Würden die externen Kosten z.B. durch die Nitratbelastung des Trinkwassers aufgrund von Überdüngung oder der Antibiotikaeinsatz in der Intensivtierhaltung, oder die Umweltbelastung durch den Anstieg der Flugreisen durch Billigtickets (Ryanair mit ihrer Tochter Laudamotion zählt zu jenen 10 Unternehmen in Europa mit dem höchsten CO2-Ausstoß) einkalkuliert, wäre der Preis auf einmal nicht mehr billig!
  • Sozialpolitische und menschliche Gründe: Unsere Kleidung z. B. wird zu rund 90 Prozent in Asien, Mittelamerika, Osteuropa und einigen Ländern Afrikas hergestellt. Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal und unmenschlich. Für den Zusammenhalt einer Gesellschaft ist es aber absolut schädlich, hochwertige und fair bezahlte Arbeitsplätze durch Niedriglohn-Beschäftigung in anderen Ländern, mit mangelnder sozialer Absicherung zu ersetzen.
Quelle: „Wer bezahlt unsere Kleidung“, Kampagne für saubere Kleidung
  • Gründe die wir am eigenen Leib unmittelbar zu spüren bekommen: Als Konsument leisten wir fast immer einen viel höheren Beitrag, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. So zahlen wir z. B. bei den Billigfluglinien oft versteckte Kosten für Check-in, Gepäck, Sitzplatzreservierung, nicht vorhandener Service, schlecht ausgebildete Flugbegleiter, Überbuchungen, Flugverspätungen und sind wie im Fall von Laudamotion, sogar mit sicherheitsrelevanten Bedenken konfrontiert.

FAZIT: Der englische Sozialphilosoph John Ruskin (ein britischer Schriftsteller und Sozialphilosoph) bringt es mit einem passenden Zitat auf den Punkt:
„Es ist unklug, viel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie dagegen zuwenig bezahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand oder die Dienstleistung, die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert bzw. Qualität zu erhalten.“

Quelle: A&W Blog

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