Eine Arbeitgebermarke muss verkaufen können

Wer an eine Arbeitgebermarke denkt, dem fallen meist sofort bestimmte Namen von Unternehmen ein.
“Bei der ABC GmbH soll es toll sein zu arbeiten.”, “Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich bei der EFG GmbH anfangen.”
Es gibt somit Unternehmen, die einen guten Ruf haben und sich nach außen gut verkaufen. Weshalb ist dies so?

Marke und Image – Wer sind wir noch?

Wer eine Arbeitgebermarke entstehen lassen will, die Menschen im positiven (und negativen) Sinne in Erinnerung bleibt, muss diese intern und extern leben. Unternehmen, die Mitarbeitende nicht nur primär mittels unterschiedlichen Kommunikationskanälen und Methoden anziehen, weil sie bekannter sind als der Mitbewerb, beherrschen es vor allem, diese ans Unternehmen langfristig zu binden. Eine Arbeitgebermarke wirkt daher am besten, wenn sie von innen her aufgebaut und erzählt wird.

Dazu dient ein Arbeitgeberversprechen. Im Unterschied zu einer Vision oder Mission dient dieses Versprechen zur Festlegung von Werten, Führungskulturen und Benefits, die ein Unternehmen allen Mitarbeitenden bietet und diese auch einhalten kann. Dieses Versprechen muss stetig hinterfragt und intern sowie extern präsent sein. Allerdings sind damit keine Gratis-Kaffees oder kostenlose Obstkörbe gemeint, sondern individuelle und persönliche Themen, die Menschen mit anderen Menschen verbinden, wie gelebte Werte, eine bestimmte Unternehmenskultur wie ein generelles per-Du oder tatsächliche Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen, die alle Mitarbeitenden erreichen können.

Unternehmen, die hingegen nur an ihrem Image arbeiten, verlieren neue Mitarbeiter spätestens im Onboarding-Prozess, wenn zwischen Image und Realität eine Lücke klafft. Employer Branding als das Instrument zur Gestaltung einer Arbeitgebermarke, ist daher mehr als strategisches Werkzeug zur Unternehmensentwicklung zu betrachten und weniger als eine kurzfristige Imageaufbesserung durch Kampagnen und andere primär nach außen gerichtete Kommunikationsformen.

(c) Adobe Stock – gemeinsam ans Ziel kommen

Employer Branding und Recruiting – Zwei Partner gehen Hand in Hand

Wir leben in einem Arbeitgebermarkt. Menschen können sich aussuchen, bei welchem Unternehmen sie tätig werden wollen. Eine klassische Stellenanzeige ist deswegen zu wenig, um genügend Bewerbende anzusprechen. Als vermeintlich schnelle Lösung bedienen sich Unternehmen zur Gewinnung derselben Methoden wie zur Gewinnung von Kunden. Sie wollen rasch als attraktiver Arbeitgeber gelten, sichtbar werden und lagern diese wichtigen Entscheidungen an externe Dienstleister aus. Eine erstellte Social Media Kampagne, eine Landingpage und marktschreierische Sprüche wie „Superhelden gesucht“ sollen Abhilfe verschaffen. Diese können den Bedarf jedoch meist nur kurz decken.

Die Arbeitgebermarke, die hingegen langfristig verkauft, verkauft sich immer zu allererst intern und baut den drei Säulen Identität, Kultur und Organisation auf. Mitarbeitende und Bewerbende gleichermaßen müssen sich mit der Marke identifizieren. Diese Identifizierung gelingt nur dann, wenn alle „Verkaufsprozesse“ wie die Candidate Journey und Employee Journey strategisch gut aufeinander abgestimmt, logisch und klar kommuniziert werden.

Employer Branding ist daher im HR-Prozess nur ein Teil zur Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden. Erfolgt beispielsweise auf eine nach außen kommunizierte Mitarbeitergeschichte eine Identifikation mit dem Unternehmen, ist es notwendig, dazu passende Antworten oder Möglichkeiten für Bewerbende im Recruitingprozess zu setzen. Dies können einfache Kontaktmöglichkeiten für Interessenten, klar kommunizierte Bewerbungsprozesse oder aber auch die Nutzung von digitalen Tools im Recruiting sein. Wichtig ist, dass Employer Branding und Recruiting nie voneinander getrennt, sondern immer zusammen in Prozessen abgebildet werden. Dies gilt nicht nur im externen, sondern ebenso im internen Recruiting im Falle von Mitarbeiterempfehlungen.

Eine gute Vorbereitungszeit, Reflektion und Strategie sind daher unerlässlich, um eine Arbeitgebermarke zu gestalten, die sich von innen nach außen verkauft. Schließlich sind alle Mitarbeitenden in unterschiedlichen Formen zudem Markenbotschafter und Markenbotschafterinnen. Erzählte Imageslogans ala „Wir stehen für …“ müssen auch beim Nachbarn, bei einer Grillparty oder in der Bar im Gespräch mit Freunden halten.

Fazit: Arbeitgebermarken verkaufen zuerst intern, dann extern

Unternehmen, die mit der Zeit gehen, schaffen eine Identifizierung mit ihren Mitarbeitenden und Bewerbenden. Sie schaffen eine gelebte Kultur des Vertrauens und verändern sich mit den Möglichkeiten der Zeit. Sie ermöglichen und bestimmen weniger die Arbeitswelt. Sie setzen ihre gelebten internen Werte vor das externe konstruierte Image. Wer an diesen Themen in Zukunft arbeitet, findet nicht nur leichter neue Mitarbeitende, sondern bindet Menschen, die für ein Unternehmen tatsächlich intrinsisch motiviert arbeiten wollen.

Verfasst von Dr. Michael Egger

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