Lernen geht heute anders – interaktive Lernmethoden

Dieser Blogartikel ist aus der Erzählersicht geschrieben, da ich bewusst zeigen möchte, wie interaktive Lernmethoden vor Ort angewendet werden können.

Die Teilnehmer sitzen vor mir. Bewusst wurden die Tische im Seminarraum in einer ordentlichen Reihe aufgestellt. Fünf Reihen zu je vier Tischen.
Ich bat das Hotel eine Kreidetafel zu organisieren und gestaltete dazu eine langweilige, mit Text überfrachtete Folie. Ein Overhead-Projektor befand sich noch im Lager und verzierte den Raum. Das Thema lautet „Die Zukunft der Kommunikation“ und die Umgebung schreit nur so „Schule!“.

In den ersten Momenten erzähle ich von persönlichen Erfahrungen, gestalte Anekdoten und Metaphern und baue da oder dort eine Rückfrage ein, um etwas Aktivität zu forcieren. Es dauert keine vier Minuten, da stochert der Teilnehmer hinten links seinem Vordermann mit dem Stift in den Rücken, grinst und sagt irgendwas zu ihm.
Ich ermahne ihn: „Herr Müller (Name von der Redaktion geändert), haben Sie was zu sagen?“, bewusst in der pädagogisch rügenden Sprache, aber mit einem Schmunzler im Gesicht.


Bitte keine Schule

„An diesem Beispiel des Kollegen können Sie etwas erkennen“, sagte ich, „wir wollen Neues lernen, befinden uns aber in alten Denkmustern!“. Fragezeichen zierten die Gesichter der Teilnehmer.

„Wir sprechen von Kommunikation der Zukunft, aber so wie Sie hier sitzen, erinnert sich Ihr Gehirn automatisch an Schule. Oder in Worten von Albert Einstein: ‘Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind’.”

Als nächstes stellten wir die Tische um, so dass sich jeder für diese zwei Tage einen Raum zum Gestalten schaffen konnte.

Interaktivität durch Accelerated Learning

Interaktive Lernmethoden bauen auf dem Prinzip von Accelerated Learning auf. Dies basiert auf neuesten Erkenntnissen moderner Gehirnforschung und Psychologie und baut auf praxisbezogenem aber spielerischem Lernen, emotionales Erleben in Teamarbeiten und regelmäßigem Feedback auf.

Methoden von Accelerated Learning

  • Positive Emotionen fördern Lernbereitschaft, Effektivität und Effizienz des Lernens
  • Spritzige und witzige Trainingssessions
  • Stimmige, originelle und moderne Designs
  • Ein lebendiger Methoden-Mix
  • Lebendige Visualisierungen mit Deko, Musik, Videos uvm.
  • Etablieren eines positiven Lernumfelds
  • Anregen von Spieltrieb und Neugier und damit subtilerer Wissensvermittlung
  • Digitale Tools („Was würdest Du jetzt tun?“ Abstimmung via App)
  • Hohes Aktivitätslevel (in Teams und individuell)
  • Gemeinsame interaktive Entwicklung von Inhalten
  • Ansprechen aller Lerntypen
  • Gehirngerechte Aufbereitung
  • Eigene Erarbeitung der Teilnehmer:innen mit Anker und Merkhilfen
  • Neuartige, zum Teil digitalisierte, Rollenspiele mit intensiver Analyse (auf Basis gut vorbereiteter Fallbeispiele)
  • Nachvollziehbare, individuelle Lernpunkte mit hoher Verbindlichkeit
  • Interne Feedbacks, die unterstützen aber auch blinde Flecken klar aufzeigen

Wissensüberschuss macht Wissensvermittlung überflüssig

In Zeiten der Schnelllebigkeit, der raschen Informationsaufnahme, kurz gesagt: In Zeiten der Digitalisierung, in der an jeder digitalen Ecke wertvolle Informationen gesammelt werden können, ist es bei weitem nicht mehr zeitgemäß nur Wissen zu vermitteln.

„Lernen heute ist Erleben, Erfühlen und selbst gestalten“, sag ich immer wieder.

Menschen lassen sich aufgrund ihrer Erinnerungen an die Schule nur ungern belehren. Die Gesellschaft weiß vermeintlich, dass der Informationsüberfluss sie zu jederzeit zu einem klugen Menschen machen kann.
Interaktive Methoden greifen deshalb genau dort zu, wo wir die Teilnehmer überraschen können. In der Gestaltung. Entertainment, ein Stück Humor, Unterhaltung und eben moderne Methoden der Erwachsenenbildung.

Drei Trends die FÜR interaktive Trainingsmethoden sprechen

Interaktive Trainingsmethoden werden für das zeitgemäße Lernen immer wichtiger.
Drei Trends sind dafür verantwortlich:

  • Die Menge des verfügbaren Wissens steigt exponentiell. Wissen verdoppelt sich alle vier Jahre. Für Seminar- und Konferenz-Teilnehmer bedeutet dieser Wissenszuwachs, immer mehr Wissen in immer kürzerer Zeit aufnehmen, verarbeiten und auch behalten zu müssen.
  • In allen Branchen nimmt die gefühlte Komplexität zu. Sogenannte Experten unterstützen dieses Gefühl der Machtlosigkeit und bieten im gleichen Atemzug an, dass sie dabei helfen. Vernetztes Denken und Handeln und abteilungsübergreifende Partnerschaften sind die Zukunft. Austausch in interaktiven Trainingsmethoden fördern daher die Generierung von neuen Perspektiven und den Auf- und Aufbau von fachlichen Netzwerken.
  • Die Arbeitsbelastung nimmt zu. Das bedeutet, längere Arbeitszeiten für alle, die auch Wertschöpfungsprozesse mitgestalten sollen. In Seminaren steigt daher das Bedürfnis nach alternativen Formen von Wissensvermittlung und nach mehr interaktivem Austausch untereinander.

Interaktive Seminare sind Lernen durch selbst erleben

Neues Wissen und kreative Ideen entstehen besonders dann, wenn Menschen gemeinsam an relevanten Fragen der Zukunft arbeiten. Nicht aber, wenn sie mit Wissen aus der Konserve zugeschüttet werden. So sehr dieses Wissen in Storytelling verpackt wird, so sehr es gut erzählt wird – wirkliches Lernen ist selbst erleben und interaktive Methoden unterstützen dabei den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe anzubieten.

Kluge Fragestellungen statt tiefen Inhalten

Wir gestalten uns heute unsere Welt selbst. So auch das Wissen, das für unsere Entwicklung relevant ist. Deshalb sind Lerninhalte heute immer mit zentralen Fragen zu verknüpfen. Basis dafür ist eine glasklare Botschaft, die mit dem Seminar vermittelt werden soll und damit verknüpfte Ziele.

Den viel zitierten Spruch “Lernen mit Herz, Hand und Hirn” verdanken wir dem Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Heute, 200 Jahre später, steht diese Theorie immer noch im Zentrum des Lernens und vor allem der elementaren Zielformulierungen.

Aufbauend auf den jeweiligen Zielen…

Hirn: „Die Teilnehmer verstehen…XYZ, ihnen wird bewusst…“
Herz: „Die Teilnehmer fühlen sich…, Bei ihnen entsteht…XYZ“
Hand: „Die Teilnehmer können…, sie beherrschen…“

… gestaltet sich interaktives Lernen vor allem mit kluger Fragestellung.

Was können Sie mit interaktiven Methoden erreichen:

  • Unterschiedliche Erfahrungen der Teilnehmer als Ressource nutzen
  • Bedeutungsvolle Dialoge zu zukunftsweisenden Fragestellungen initiieren
  • Fachübergreifenden Austausch und Zusammenarbeit fördern
  • Neue Kooperationen zwischen Stakeholdern initiieren
  • Ermüdende Frontal-Präsentationen mit interaktiven Sequenzen anreichern
  • Durch methodische Abwechslung neue Energien bei Teilnehmern wecken
  • Gelegenheiten schaffen, das persönliche und fachliche Netzwerk schnell, zielgerichtet und effizient zu erweitern
  • In kurzer Zeit tragfähige Projektpläne und konkrete Umsetzungspläne entwickeln

Fazit

Haben Sie den Mut zur kreativen Gestaltung Ihrer Lernformate. Die oben beschriebenen Trends der Zukunft beeinflussen das Lernen massiv. Deshalb braucht es aus HR- und Vertriebsabteilungen den Mut Seminare auf unkonventionelle Art, aber trotz allem in der professionellen Weise der Erwachsenenbildung zu gestalten.

Interaktive Methoden sind der Schlüssel für das Lernen der Zukunft. Was Lernen nicht mehr sein darf, ist eine Erinnerung an die Schule, was es oftmals noch ist. Deshalb arbeiten auch wir an modernen zeitgemäßen Methoden, die die Erwachsenenbildung heute braucht, um das Lernen attraktiv zu gestalten und damit die Ideen von morgen in Ihrem Unternehmen und von Ihren Mitarbeitern aktiv mitgestalten zu können.

Hinterlassen Sie gerne ein Kommentar oder schauen Sie auf unsere Website für weitere Informationen.

Abschließend hab ich Ihnen noch zehn Bezeichnungen bekannter interaktiver Methoden zusammengefasst:

  • World Café
  • Themen-Café
  • Open Space Konferenzen
  • Fishbowl-Diskussionen
  • Flüstergruppen
  • Stationengespräche
  • Informations-Parcours/Marktplatz
  • Soziometrische Aufstellungen
  • Diskussion von 3-5 zentralen Thesen vor Fachvorträgen
  • Agile Digital-Diskussionen

Jürgen Eisserer, CEO der Menschen im Vertrieb Training GmbH, Autor und Speaker

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