Corona Krise in China

Wie haben KMU´s in China auf diese Krise reagiert?

Während sich die Covid-19-Krise (kurz Coronakrise) auf neue Epizentren in Europa und den USA ausbreitet, bemühen sich viele kleine und mittlere Unternehmen in der DACH-Region, Antworten auf die täglich neu auftretenden Herausforderungen zu finden. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Krankheitsdynamik, des Mangels an einschlägigen Erfahrungen und das Fehlen von Standardlösungen, gibt es darauf keine einfachen Antworten.

Natürlich ist jede regionale Situation anders, aber wir sind trotzdem sicher, dass Unternehmen in Österreich und Deutschland, die in der Entwicklung der Krankheitsdynamik einige Wochen hinter China stehen, die Möglichkeit haben, von chinesischen KMU´s zu lernen. China scheint sich, nach heutiger Informationslage, wieder in einem sehr frühen Stadium des wirtschaftlichen Aufschwungs zu befinden. Noch ist diese Erholung anfällig für das Auftreten von neuen Wellen lokalen Infektionen, aber trotzdem planen bereits viele chinesische Unternehmen für die Zeit nach der endgültigen Genesung.

Basierend auf diesen Erfahrungen von chinesische Unternehmen, sind 12 frühe Lehren für Unternehmer und Führungskräfte an dieser Stelle zu ziehen. Natürlich hat China sein eigenes politisches System und andere soziale Gepflogenheiten, aber viele dieser Lehren scheinen unserer Meinung nach auch allgemein auf Europa anwendbar zu sein.

12 Lehren chinesischer KMU´s aus dieser Krise:

  1. Schauen Sie optimistisch nach vorne und beurteilen Sie Ihre Bemühungen ständig neu.
    Krisen haben per Definition einen hochdynamischen Verlauf, der eine ständige Neuformulierung der eigenen mentalen Modelle und Pläne erfordert. Anfängliche Ignoranz weicht einer realen Sinneswahrnehmung. Die kurzfristige Krisenstimmung einer Krisenplanung und Wiederherstellungsstrategie, die schließlich in eine Reflexion und ein Lernen übergehen. Dieser Prozess muss vor allem schnell und ohne interne Zeitverluste passieren. So ist es MasterKong, einen führenden Hersteller von Instant-Nudeln, durch die hochflexible Anpassung seiner (online-to-offline) Lieferketten gelungen, bereits nach wenigen Wochen über 60 % der in diesem Zeitraum geöffneten Geschäfte wieder zu beliefern.
  2. Verwenden Sie einen adaptiven Bottom-up-Ansatz, um die Top-down-Bemühungen in der Führung zu ergänzen.
    Schnelle, richtig koordinierte Entscheidungen erfordern eine Top-Down-Führung. Unvorhersehbare Veränderungen, mit einer unterschiedlichen Dynamik erfordert aber auch eine starke Initiative der Mitarbeiter.
  3. Schaffen Sie proaktiv, Klarheit und Sicherheit für Ihre Mitarbeiter.
    In einer Krise ist es schwierig, Klarheit zu finden, wenn sich die Situation und die verfügbaren Informationen, aufgrund der dynamischen Entwicklung, ständig ändern. Die Mitarbeiter müssen neue Arbeitsweisen, wie z. B. Homeoffice, einführen, können dies jedoch nur dann gut ausführen, wenn sie über klare, eindeutige Informationen und konkrete Anweisungen verfügen.
  4. Verteilen Sie Ihre Arbeitskräfte flexibel auf andere Aktivitäten oder Unternehmen.
    In stark betroffenen Branchen, wie z. B. in der Hotellerie oder Gastronomie, konnten die Mitarbeiter ihre eigentlichen Aktivitäten nicht mehr fortsetzen. Anstelle von Urlauben oder Entlassungen haben einige kreative chinesische Unternehmen ihre Mitarbeiter aktiv neuen und gerade gefragten Aktivitäten zugewiesen oder sie sogar an andere Unternehmen verliehen. So haben z. B einige Restaurants, Hotels und Kinoketten ihren Personalstand zuerst befristet freigesetzt. Während dieses Zeitraums der befristeten Freisetzung mit einer Supermarktkette von Alibaba, die aufgrund des plötzlichen Anstiegs der Online-Einkäufe dringend Arbeitskräfte für Lieferservices benötigte, geteilt, um sie nach einem festgesetzten Zeitraum wieder einzustellen.
  5. Verändern Sie Ihren Vertriebskanal-Mix.
    Beispielsweise musste das Kosmetikunternehmen Lin Qingxuan während der Krise 40% seiner Offline-Geschäfte schließen, einschließlich aller Standorte in Wuhan. Das Unternehmen setzte jedoch seine über 100 SchönheitsberaterInnen aus diesen Geschäften als Online-Influencer ein. Die Aufgabe war Kunden virtuell zu binden und den Online-Verkauf zu fördern. Das Resultat kann sich sehen lassen: in Wuhan stieg der Umsatz um 200% gegenüber dem Vorjahr.
  6. Verwenden Sie soziale Medien, um Mitarbeiter und Partner zu koordinieren.
    Aufgrund des großen Anteils an Heimarbeit nutzten viele chinesische Unternehmen Social-Media-Plattformen wie WeChat, um Mitarbeiter und Partner zu koordinieren.
  7. Bereiten Sie sich auf eine schnellere Wiederherstellung des Normalzustands vor, als erwartet.
    Während die Intensität und Dauer der wirtschaftlichen Auswirkungen in europäischen Ländern nicht vorhersehbar ist, deutet Chinas Verlauf auf ein Szenario hin, auf das sich Unternehmen bei uns vorbereiten sollten. Angesichts der Zeit, die für die Umsetzung neuer Richtlinien in großen Unternehmen notwendig ist, muss die Wiederherstellungsplanung beginnen, während sie sich noch im Krisenmodus befinden.
  8. Erwarten Sie unterschiedliche Wiederherstellungs-Geschwindigkeiten für die verschiedenen Branchen.
    Es überrascht nicht, dass sich Branchen und Produktgruppen in China mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten erholen und daher auch unterschiedliche Ansätze erfordern. So erholen sich Branchen, wie Software-Entwicklung und diverse Dienstleistungen schneller. Der Großteil der anderen Sektoren erholte sich langsamer, erreichte jedoch auch schon innerhalb weniger Wochen das Niveau vor der Krise.
  9. Suchen Sie nach neuen Gelegenheiten inmitten der Krise.
    Während die Krise in China in gewissem Maße fast alle Branchen betraf, stieg die Nachfrage in einigen spezifischen Bereichen. Dazu zählen z. B. der „B2C-E-Commerce-Bereich“ (insbesondere Tür-zu-Tür-Modelle), Remote-Meeting-Services, soziale Medien, Hygieneprodukte, und Krankenversicherungen. Einige chinesische Unternehmen reagierten schnell, um genau diese Bedürfnisse zu befriedigen. Zum Beispiel hat Kuaishou – eine soziale Videoplattform – seine Online-Bildungsangebote intensiv beworben, um Schul- und Universitätsschließungen auszugleichen.
  10. Passen Sie Ihre Wiederherstellungsstrategie den Standorten an.
    So wurde z. B. der geplante Output von Fabriken in stark betroffenen Gebieten, schrittweise Fabriken in anderen Regionen zugewiesen. Marketingaktivitäten und Budgets wurden ebenfalls kontinuierlich angepasst, um regionalen Unterschieden in Bezug auf die zu erwartende Erholungsgeschwindigkeit, der Verbraucherstimmung und den Bedürfnisse der Kunden gerecht zu werden.
  11. Schnell Innovationen finden, um neue Konsum-Bedürfnisse zu befriedigen.
    Neue Kundenbedürfnisse bieten Möglichkeiten für Innovationen. Viele Unternehmen die von einer Krise bedroht sind, konzentrieren sich in der Regel auf defensive Maßnahmen. Nicht so einige chinesische Unternehmen, die mutig Innovationen entwickeln konnten.
  12. Erkennen Sie neue Konsumgewohnheiten.
    Einige Verschiebungen werden wahrscheinlich über die Krise hinaus anhalten, und viele Sektoren werden zu neuen Marktrealitäten in China und auch anderswo zurückkehren. Es ist noch zu früh, um sicher zu sein, welche neuen Gewohnheiten auf lange Sicht Bestand haben werden. Eine starke Möglichkeiten stellt dabei die Entwicklung von der Offline- zur Online-Bildung dar. Auch eine Transformation der Gesundheitsversorgung und eine Zunahme der digitalen B2B-Kanäle, zeichnet sich ab. Viele chinesische Unternehmen planen bereits diese Veränderungen in der Welt nach der Krise.

Zweifellos werden in Zukunft noch mehrere Lehren aus dieser weltweiten Krise gezogen werden. In einer sich schnell verändernden, volatilen Welt sollte unserer Meinung nach ein solcher, adaptiver Ansatz über das Krisenmanagement hinaus, zum täglichen Standard werden.

Quelle: "How Chinese Companies Have Responded to Coronavirus", Harvard Business Review

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